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[Online] Ringvorlesung Gegenwart/Literatur - Interdisziplinarität II

— Kategorie:

Dirk Vanderbeke (Jena): Intermedialität – Ein evolutionärer Ansatz

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Ringvorlesung
Wann 08.07.2021
von 16:15 bis 18:45
Name Lisa Utsch
Kontakt E-Mail-Adresse
Kontakttelefon 0228733823
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Der Vortrag wird ausschließlich via Zoom stattfinden.

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Abstract
Grundlage des Beitrags ist die evolutionäre Literaturtheorie, die davon ausgeht, dass das menschliche Gehirn und seine Eigenschaften durch die Anforderungen und daraus folgend Adaptationen in der Evolutionsgeschichte geformt wurde und dass diese Prozesse auch noch heute einen Einfluss auf unser Verhalten haben. Dazu gehören alle Formen der Kommunikation sowie auch die Verarbeitung der Medien, die dabei zum Einsatz kommen. Dabei sind die Fähigkeiten, visuelle, auditive und sprachliche Informationen zu verarbeiten, zu unterschiedlichen Zeiten in unserer Evolutionsgeschichte entstanden; die entsprechenden Zentren sind in unserem Gehirn unterschiedlich verteilt, und sie berühren daher auch Verhaltensweisen, die verschiedenen evolutionären Entwicklungsstufen zuzuordnen sind.

Sprache ist eine relativ späte evolutionäre Errungenschaft, die vermutlich erst beim homo sapiens auftauchte und deren Entstehung durch Veränderungen des Stimmapparats begünstigt wurde. Es ist überaus unwahrscheinlich, dass dies auch der Beginn der frühmenschlichen Kommunikation gewesen wäre – schon bei unseren evolutionären Verwandten und insgesamt im Tierreich gibt es vielfältige Kommunikationsformen, und die Rekonstruktion des Lebens im Pleistozän legt nahe, dass es eine wenn auch rudimentäre Informationsvermittlung gegeben haben muss.

Der evolutionäre Vorteil der menschlichen Sprache steht außer Zweifel, bei anderen Formen der Kommunikation ist weniger klar zu bestimmen, warum sie eine wesentliche und universelle Rolle in menschlichen Kulturen und daher wohl auch in der evolutionären Entwicklung einnehmen. Das gilt besonders für die Musik, die offensichtlich eine hohe Bedeutung im menschlichen Verhalten hat, deren adaptive Funktion aber nicht klar zutage tritt. In meinem Vortrag verfolge ich die u.a. auch von Steven Mithen vertretene Hypothese, dass der menschlichen Sprache eine Kommunikation vorausging, die proto-musikalische Eigenschaften aufwies und die noch immer in unserem mentalen Apparat verankert ist. Dies wäre dann auch für Formen intermedialer Kommunikation von Bedeutung, und es wäre erforderlich, dem auch in der Theoriebildung Rechnung zu tragen. Gegenwärtige Tendenzen einer Abkehr von monomedialen Vermittlungsformen wie der Dominanz der Schrift und zu den vielfältigen Möglichkeiten der neuen Medien bedeuten dabei evtl. eine Rückkehr zu früheren Kommunikationsformen, die den menschlichen Bedürfnissen und auch unseren kognitiven Fähigkeiten eher entsprechen.

 

Der zweite Teil der Ringvorlesung des Graduiertenkollegs Gegenwart/Literatur – Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses verhandelt unter dem Titel Interdisziplinarität medientheoretische, medienpraktische, kunst- und filmgeschichtliche Fragen von ›Gegenwart‹, dem Verhältnis von ›Gegenwart‹ und Literatur sowie die verschiedenen Modi der Vergegenwärtigung in verschiedenen Formen, Medien und Künsten. Was sind die gesellschaftlichen, diskursiven, medien- und öffentlichkeitsgeschichtlichen sowie zeit- und raumtheoretischen Voraussetzungen für historisch unterscheidbare Konzeptualisierungen von ›Gegenwart‹? Wie verfertigen historische und aktuelle, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Praktiken ›Gegenwart‹ – und ›ihre‹ Literatur?

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