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Anna Karina Sennefelder (Freiburg): Endstation Selfbranding? Mainstream und Nischen des Reiseberichts im Zeitalter der Medienkonvergenz

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Eine Kooperationsveranstaltung des DFG-GRK 2291 Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses und des „Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung“ (Universität Konstanz).

Kurzübersicht
Art des Termins
  • Abendvortrag
Wann 24.11.2021
von 18:15 bis 19:45
Wo HS VII
Name Lisa Utsch
Kontakt E-Mail-Adresse
Kontakttelefon 0228/73-3808
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Abstract

Für das Genre des Reiseberichts lassen sich aktuell medienübegreifend zahllose glückliche Selbstfinder*innen ausmachen, die mit denselben Bildmotiven und Stories operieren: Pastellfarbene Sonnenuntergänge, entspannt übereinandegekreuzte Füße vor dem Horizont, die Hand am Hut und den Daumen am Auslöser, authentisch und nahbar, auf Augenhöhe mit den locals, nachhaltig und by fair means – sodass sich die Frage stellt: Können ‚wir‘ (damit sind Reisende der ‚minority world countries‘ gemeint) in der Gegenwart überhaupt noch jenseits dieser Insta-Ästhetik vom Reisen erzählen? In vergleichenden Analysen habe ich bereits zeigen können, dass die Konvergenz visueller Praktiken zu einer extremen Standardisierung der Ästhetik im „Mediengenre“1 ‚Reisebericht‘ geführt hat und habe auch die Wiederkehr überholt geglaubter „visueller Stereotype“2 in zeitgenössichen deutschsprachigen Reisedokumentationen fürs Kino kritisch beleuchtet.3 Im Rahmen meines Vortrags für das GRK 2291 „Gegenwart / Literatur“ möchte ich diese Analysen von Social Media und filmischen Reisedokumentationen ergänzen und einen kritischen Blick auf zeitgenössische, eher konservative Formen des Erzählens vom Reisen werfen. Dazu werde ich Fragen zur Widersprüchlichkeit von self-branding und self-finding sowie zur Demokratisierung und formalen Innovationen anhand exemplarischer Analysen von Reiseberichten aus zwei deutschsprachigen Buchreihen (Knesebecks Stories und Maliks The Travel Episodes) diskutieren und diese Beobachtungen mit den erzählten Reiseerfahrungen in zwei Graphic Journeys (Jan Bauers Der salzige Fluss und Danielle de Picciottos We are Gypsies now) konfrontieren.

 

1 H.-J. Bucher, Thomas Gloning, Katrin Lehnen, Medienformate: Ausdifferenzierung und Konvergenz - zum Zusammenhang von Medienwandel und Formatwandel. In: H.-J. Bucher/H.-J. Bucher/Thomas Gloning/Katrin Lehnen (Hg.): Neue Medien - neue Formate. Ausdifferenzierung und Konvergenz in der Medienkommunikation, Frankfurt am Main 2010, S. 9–38.
2 Katharina Lobinger, Visuelle Stereotype. Resultate besonderer Bild-Text-Interaktionen. In: Thomas Petersen/Clemens Schwender (Hg.): Visuelle Stereotype, Köln 2017, S. 109–123.
3 Anna Karina Sennefelder, »Revival of the cultural stereotype? Personalised travel documentaries from a multimodal perspective: Weit (2017) and Reiss aus (2019).«, in: Mobile Culture Studies The Journal, 6 (2020), S. 93–112.

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