Sie sind hier: Startseite Forschungsprofil

Forschungsprofil

des Graduiertenkollegs Gegenwart/Literatur. Geschichte, Theorie und Praxeologie eines Verhältnisses

Inhaltsverzeichnis

Forschungprofil

Forschungsidee

Forschungsfragen

Schwerpunktverschiebung im Forschungsprogramm der zweiten Förderphase (April 2022 – September 2026)

Forschungsprofil des Graduiertenkollegs

Ziel des Graduiertenkollegs ist es, die Beziehungen zwischen ‚Literatur‘ und ‚Gegenwart‘ vergleichend in ihren historischen sowie europäisch-nordamerikanischen Erscheinungsformen zu untersuchen: Die Forschungsprojekte richten sich auf die historischen und aktuellen Konstitutionsbedingungen von Gegenwart, (Gegenwarts-)Literaturen und Gegenwartsliteraturforschung sowie auf ihre Interdependenzen. Das Forschungsprogramm ist in vier Teilbereiche aufgefächert:

  1. Was ist Gegenwart? Oder: Begriff, Problem und Geschichte der Gegenwart,
  2. Was ist Gegenwartsliteratur? Oder: Das Problem der (literarischen) Gegenwartsreferenz und der Vergegenwärtigung von ‚Gegenwart‘,
  3. Was ist Gegenwartsliteraturforschung? Oder: Das wissenschaftsgeschichtliche Problem der ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘,
  4. Wie wird Gegenwart/Literatur gemacht? Oder: Praxeologische Perspektiven auf ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘.

Der praxeologische Teilbereich des Forschungsprogramms fungiert als Scharnier zu den berufspraktischen Komponenten des Qualifizierungskonzepts.


DFG-GK-2291_Grafik_Studienaufbau


Neben der intensiven Betreuung der Dissertationen durch die das Kolleg tragenden Hochschullehrer*innen, der Einbindung der Kollegiat*innen in ein innovatives, aktuelles und zukunftsweisendes Forschungsfeld sowie der Bereitstellung einer bewährten und etablierten Infrastruktur von Weiterbildungsmaßnahmen für transferable skills, hat das Qualifizierungskonzept das Ziel, die Kollegiat*innen sowohl beobachtend-reflexiv als auch aktiv an Tätigkeiten in Praxisfeldern der ‚Gegenwartsliteratur‘ heranzuführen. Dies geschieht durch vielfältige Kooperationen mit hochkarätigen Partnern aus dem Medien- und Literaturbereich. Deren Akteure (Autor*innen, Journalist*innen, Verlagsvertreter*innen, Kulturmanager*innen, Archivar*innen und Ausstellungsmacher*innen) sind ‚Schwellenfiguren‘ an der Schnittstelle zwischen der ‚blinden Praxis’ und der epistemologisch begründeten Praxistheorie. Sie werden zu Laborgesprächen und -projekten, Workshops und Podiumsdiskussionen eingeladen, stellen aber ihrerseits auch institutionelle Möglichkeiten für ‚teilnehmende Beobachtung‘, Kurz-Praktika, Hospitanzen o. Ä. bereit.

Unmittelbar aus dem Forschungsprogramm selbst erwächst die Internationalität des Graduiertenkollegs. Neben der für das Vorhaben zentralen komparativen Perspektive auf Literaturen verschiedener Nationalphilologien spielt ‚Gegenwartsliteratur‘ für die jeweiligen Auslandsphilologien traditionell eine besonders wichtige Rolle. Das Qualifizierungskonzept ermöglicht den Kollegiat*innen auf der Grundlage der intensiven und langjährigen internationalen Vernetzung der beteiligten Institute den Kontakt zu Kooperationspartner*innen in St. Andrews, Paris, Florenz, Prag und Luxemburg. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu einem drei- bis sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an drei Universitäten in den USA, in Nottingham, Prag und Luxemburg sowie zu Kooperationen mit Lektor*innen des DAAD.

Das Graduiertenkolleg ist im Kern ein literaturwissenschaftliches Unternehmen, das die Zusammenarbeit mehrerer Philologien (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Literaturdidaktik, Komparatistik, Romanistik, Anglistik) in großer historischer Breite und methodischer Diversität realisiert. Die beteiligten Hochschullehrer*innen sind im anvisierten Forschungsfeld einschlägig ausgewiesen und durch zum Teil langjährige Kooperationen innerhalb bestehender Bonner Forschungsstrukturen (Zentrum für Kulturwissenschaft), Promotionsprogramme (Strukturiertes Promotionsprogramm, Deutsch-Italienisches Promotionskolleg, Trinationales Graduiertenkolleg „Gründungsmythen Europas in Literatur, Kunst und Musik“) und verschiedene jüngere und jüngste Projektaktivitäten (Workshops, Tagungen, Publikationen) im Forschungsfeld der ‚Gegenwartsliteratur‘ und ihrer Geschichte etabliert und sehr gut vernetzt. Sie sind als Mitspieler*innen und Beobachter*innen in Konzeption und Durchführung gegenwartsliterarischer Veranstaltungsformate eingebunden. Die notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren Philologien (Skandinavistik, Slavistik, germanistische Mediävistik) und anderen Fächern (Soziologie, Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte, Medien- und Filmwissenschaft) erfolgt durch die enge Kooperation mit weiteren dauerhaft beteiligten Wissenschaftler*innen, die im Hinblick auf das Forschungsthema von besonderer Exzellenz sind und die sowohl aus der Bonner Fakultät als auch von außen gewonnen werden konnten.

Forschungsidee und Leitthema

Das gesamte Vorhaben ist überfällig: Die theoretisch-systematische, historische und praxeologische Erforschung der Konzeptualisierungen von ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘ sowie des Verhältnisses von ‚Gegenwart‘ und ‚Literatur‘ in international vergleichender, synchroner und diachroner Perspektive ist ein Desiderat. Zwar hat die literatur- und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit Gegenwartsliteratur seit einiger Zeit Konjunktur, eine umfassende theoretische, historische und praxeologische Erforschung von ‚Gegenwartsliteratur‘ steht aber aus. weiterlesen...
 
 

Forschungsfragen

Ziel des Graduiertenkollegs ist es, die Beziehungen zwischen ‚Literatur‘ und ‚Gegenwart‘ vergleichend in ihren historischen sowie europäisch-nordamerikanischen Erscheinungsformen zu untersuchen: Die Forschungsprojekte richten sich auf die historischen und aktuellen Konstitutionsbedingungen von Gegenwart, (Gegenwarts-)Literaturen und Gegenwartsliteraturforschung sowie auf ihre Interdependenzen.
Will man die bestehenden Defizite beheben und Gegenwartsliteraturforschung von ihren historischen und praktischen Voraussetzungen her umfassend in den genannten Aspekten entfalten (Gegenwart/Literatur/Forschung/Praxis), so ergeben sich die vier im Folgenden zu entfaltenden, eng miteinander zusammenhängenden Frageperspektiven. Der praxeologische Teilbereich des Forschungsprogramms fungiert als Scharnier zu den berufspraktischen Komponenten des Qualifizierungskonzepts. weiterlesen...
 

Schwerpunktverschiebung im Forschungsprogramm der zweiten Förderphase (April 2022 – September 2026)

Die zweite Phase ist weiterhin in die oben beschriebenen vier Teilbereiche bzw. Forschungsfragen gegliedert. Die Historisierung und theoretische Bestimmung von ‚Gegenwart‘ (Frage 1) sowie die methodologische Reflexion und Analyse konkreter Praktiken der Erzeugung von Gegenwart und Gegenwartsliteratur (Frage 4) bleiben zentrale Perspektiven des Forschungsprogramms, rücken nun aber in die Funktion eines grundlegenden methodologischen und theoretischen Rahmens für die laufenden und die zukünftigen Projekte. Intensiviert werden soll in der zweiten Phase die Erforschung jener zentralen Prozesse, Bezugnahmen und Referenzpraktiken, mittels derer sich Literatur auf Gegenwart bezieht – und Gegenwart auf Literatur (Frage 2). Gegenwartsreferenzen und damit immer auch die Modi, auf deren Grundlage wechselseitige Bezugnahmen von Literatur und Gegenwart organisiert und operationalisiert werden, derart ins Zentrum zu stellen, ist die Konsequenz aus den Forschungserträgen zum Gegenwartsbegriff selbst, die in den letzten Jahren innerhalb und außerhalb des Kollegs erarbeitet worden sind (vgl. Kreuzer 2019; Genge u. a. 2020; C. Geulen 2020; Lehmann/Stüssel 2020). In der zweiten Phase sollen diese – im stärker interdisziplinär ausgerichteten Zuschnitt des Kollegs – zugleich im vergleichenden Blick auf Verfahrensweisen anderer Künste und Medien untersucht werden. Dies gilt auch – vor allem für die 3. Kohorte – für die Literaturwissenschaft und ihre Geschichte (Frage 3), die Agent und Beobachter spezifischer Referenzen auf ‚Gegenwart‘ und ‚Gegenwartsliteratur‘ ist. Die wissenschaftsgeschichtliche Frage nach den Bedingungen, Kontexten und Konjunkturen von Gegenwartsliteraturwissenschaft, nach den Bedingungen und Formen der Hervorbringung des Gegenstands ‚Gegenwartsliteratur‘, hat den historisch kontingenten Status des epistemischen Objekts ‚Gegenwart’ ebenso zu berücksichtigen wie das Spannungsfeld zwischen Literaturwissenschaft, Literaturkritik und Öffentlichkeit in der jeweils gegenwärtigen epistemischen Situation (Albrecht u. a. 2016), wo Bezugnahmen auf Phänomene der Gegenwart prämiert oder abgewertet werden. Da Literaturen und die Instanzen ihrer Beobachtung und der Erzeugung von Anschlusskommunikationen in ihren Voraussetzungen mit der historisch variablen Erzeugung, Reflexion und Dokumentation von ‚Gegenwart‘ in besonderer Weise verbunden sind, nimmt das Kolleg weiterhin Praktiken der Hervorbringung von Gegenwart und von Gegenwartsliteratur in den Blick (Frage 4), um so Akteure, Werkstätten, Labore, Szenen und Handlungsfelder theoretisch und historisch informiert zu beobachten und zu analysieren. Diese praxeologische Prämisse wird auch in der zweiten Phase für die Erforschung des Verhältnisses von Gegenwart und Literatur methodisch leitend sein. In zahlreichen Kooperationen mit Partnern aus dem Medien-, Literatur- und Kulturbetrieb stellen wir den Kollegiat*innen Praxisfelder zur Beobachtung und Reflexion konkreter Operationen und Entscheidungen, Handlungen und Handlungsfelder bereit, wodurch zugleich der Blick auf das Prozedurale der Herstellung von Gegenwart und Gegenwartsliteratur in unterschiedlichen historischen Feldern und in anderen Künsten geschärft wird.
Artikelaktionen